Grundstock
Der Holzschnitt-Grundkurs an der HGB beginnt mit einem breiten Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten: einfache Formen, Schwarz- und Weißlinienschnitt, Grauwerte, Kontrastflächen. Nach einigen Wochen kommt die Geduldsdisziplin: das Nachschneiden eines Motives der frühen Neuzeit in hartem Holz. Es gibt eine reichhaltige Auswahl an Vorlagen, die durch ein Kopierverfahren auf den Druckstock übertragen werden können.
Das harte Holz ist langsam und mühsam zu schneiden und die lineare Schraffur läuft der Eigenheit des flächigen Mediums völlig zuwider. Ist diese Aufgabe überstanden, verliert der Holzschnitt insgesamt viel von seinem Schrecken – und wer sich dann gegen minutiöse Präzision im kleinen Format entscheidet, wird das "aber nicht aus handwerklichem Unvermögen", so Karl-Georg Hirsch, der als einstiger Professor für Holzschnitt dieselben Vorlagen schon vor über 50 Jahren im Kurs verwendete.
Aus diesem Zeitraum, von 1971 bis 2024, haben wir gut 40 alte Kursdruckstöcke zusammengetragen und neu abgedruckt – teils in der Werkstatt vergessen, teils jahrelang im Keller verstaut; präzise nachgeschnitten oder mit kleinen Erfindungen versehen; fertige Platten und Fehlversuche; von späteren Meisterinnen des Holzschnittes, aber auch von Künstlerinnen, deren erster Ausflug ins Medium der letzte bleiben sollte; beinahe immer ohne erkennbaren persönlichen Stil und gerade deswegen so reizvoll.