Fundament

Allen Grafiken in Fundament liegt dieselbe Platte zugrunde. Etwa jede zweite Seite zeigt sie ungebrochen, variiert allenfalls durch minimale Streuung von Druck oder Farbauftrag; die übrigen Seiten mit intendierten Eingriffen: Abdeckung von Bildpartien; kleine, in Linol geschnittene Zugaben, Durchstreichungen oder Akzente, der Übereinanderdruck oder Versatz der Grundform.

Wie in vielen von Lorenz' Arbeiten sind auch hier Form und Gegenstand aufs Engste verknüpft. Das Buch ließe sich problemlos als rein formale Anordnung lesen, als abstrakte Experiment; aber ebensogut könnte man jeder Druckvariante einen bestimmten narrativen Umgang mit Erinnerung und Beobachtung und ihren jeweiligen Grenzen zuordnen.

Genauso typisch für Lorenz ist der Spagat zwischen augenscheinlicher Objektivität, Coolness, Sprödigkeit einerseits, und andererseits einer empathischen Zugewandtheit zur dargestellten Welt, in der jedes kleine Detail der Zeichnung, jede in der Skizze absichtlich oder versehentlich gesetzte Linie im Schnitt dann präzise bewahrt, und jedes individuelle Detail des Vorbildes gesehen und gewürdigt wird.

Siehe auch